Montag, 12. März 2012


Mehr Ethik statt Profitgier

Der XIV. Dalai Lama über mehr Menschlichkeit im Globalismus


Der XIV. Dalai Lama ist das religiöse Oberhaupt
der Tibeter. Er lebt seit über 50 Jahren in Dharamsala
im indischen Exil und predigt in vielen Teilen der Erde
die buddhistischen Weltanschauungen. In seinem neuesten
Buch "Rückkehr zur Menschlichkeit" geht es nicht primär
um Religion, sondern um Ethik. Gleichzeitig ist es ein
sehr persönlicher Ratgeber, in dem der Dalai Lama viel
Persönliches von sich preisgibt. Sein Vater war jähzornig,
seine Mutter eine gütige Bauersfrau. Sie lehrte ihn
Mitgefühl und gab ihrem Sohn viel Liebe. Der Buddhist,
der zuviel Reichtum an materiellen Gütern nicht gutheißt,
verrät auch einiges über seine eigenen Gelüste. Als er
zum ersten Mal die westliche Welt bereiste und staunend
in die Auslagen der Kaufhäuser sah, beeindruckten ihn
mechanische Uhren. Er dachte sich, dass er die eine oder
andere gerne haben würde. Selbstkritisch betrachtet er
sein damaliges Verhalten als instinktive Gier, die der
Frage wich: "Brauche ich das wirklich?". Der Dalai Lama
sieht sich als Halbkommunist. Ein gewisser Wohlstand sei
notwendig. Jeder brauche Essen und Kleidung. Doch den
Kapitalismus hält der Autor nur dafür geeignet, den
Menschen materiellen Wohlstand zu verschaffen und deren
Lage zu verbessern. Als gesellschaftliches Leitbild
tauge er jedoch nicht, weil Profit ohne Ethik an erster
Stelle steht. Dem entgegen stehen jedoch Wohlstäter wie
Microsoft-Gründer Bill Gates und dessen Frau Melinda, die
ihren Reichtum zur Linderung von Armut einsetzen. Dafür
ist der Dalai Lama auch so dankbar dass er die Namen
mehrfach erwähnt. Grundsätzlich geht es in dem Buch um
Werte wie Geduld, gewaltloses Handeln und Sprechen, um
die Urteilsfähigkeit und die Unterscheidung von Tat und
Täter. Eine sehr weise und religiöse Haltung ist diejenige,
selbst den schlimmsten Verbrecher noch als Menschen zu
sehen und Hass und Rache abzuschwören. Rache sorge für eine
Negativspirale aus Vergeltung. Verzeihen zu können,
bedeute nicht, ein Unrecht komplett zu vergessen. Wut
tut jedoch nicht gut, vor allem einem selber nicht. Doch
ein gewisses Maß davon über das Leid in der Welt, kann
den einen oder anderen ins Handeln bringen und zu helfen.
Sehr interessant sind die Ausführungen über die Zufriedenheit.
Reichtum allein macht nicht glücklich. Der Dalai Lama
wunderte sich auf seinen Reisen über die Lebensfreude
in ärmeren Ländern. Seiner Ansicht nach liegt das daran,
dass Not mehr Geduld und Langmut verlangt. Diese armen
Menschen lernen, mit schwierigen Situationen umzugehen,
ohne die Ruhe zu verlieren. Auch die Überlebenden des
Zweiten Weltkrieges sind gleichmütiger und charaktervoller
als jüngere Nachkommen. Die hohe Kunst der Gelassenheit
kann trainiert werden. Sie besteht darin, sich von
Problemen nicht fertigmachen zu lassen. Wenn sie veränderbar
sind, dann git es keinen Sinn für Trübsinn. Und wenn
es keine Lösung gibt, dann nützen Sorgen auch nichts. Sie
schwächen und bringen nur Depressionen. Am Leid kann der
Einzelne sogar spirituell wachsen. Dadurch entstehen
Demut und Kraft.
Ein sehr intelligentes Buch für mehr Menschlichkeit und
mehr Miteinander im Leben.
(c) Corinna S. Heyn


Dalai Lama, Rückkehr zur Menschlichkeit.
Neue Werte in einer globalisierten Welt.
Lübbe Verlag 2011.
www.luebbe.de